Tief bewegt nehmen wir Abschied von Federica Brand, die am 27. Februar im Alter von 88 Jahren in Augsburg verstorben ist. Mit ihr verlieren wir eine der letzten Zeitzeuginnen des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma und eine engagierte Stimme im Kampf gegen das Vergessen.
Federica Brand wurde am 21. Juni 1937 als Federica Schöpf in Farzach (Österreich) geboren. Ihre Kindheit endete brutal durch die Schrecken des Nationalsozialismus: Bereits als Zweijährige wurde sie am 26. Juni 1939 zusammen mit ihrer Familie verhaftet und in das von den Nationalsozialisten so bezeichnete „Zigeunerlager“ Maxglan bei Salzburg deportiert. 1942 gelang ihr gemeinsam mit ihrer Tante und einigen weiteren Sinti die Flucht – und damit die Rettung vor der drohenden Deportation in ein Konzentrationslager. Frau Brand und ihrer Tante gelang es anschließend, sich vor den NS-Behörden zu verstecken und so – wenn auch unter völlig menschenunwürdigen Bedingungen – bis zum Kriegsende zu überleben. Ihre Eltern und fünf ihrer Geschwister wurden von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet.

Wie alle deutschen Sinti und Roma war Federica Brand gemäß der „Nürnberger Gesetze“ ausgebürgert worden. Trotz jahrelanger Bemühungen – auch durch unseren Landesverband – erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft erst im Jahr 2015. Damit verbunden war ein langjähriger Ausschluss von Entschädigungszahlungen, die ihr dem Grunde nach zugestanden hätten. Noch im hohen Alter engagierte sie sich als Zeitzeugin an Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, vor allem in Schwaben an der Seite ihrer Nichte Marcella Herzenberger, der Vorsitzenden des Regionalverbands Deutscher Sinti und Roma Schwaben e.V.
„Federica Brand hat wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet, indem sie Schülerinnen und Schülern von den Schrecken der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik berichtete. Ihr Tod ist für uns ein unermesslicher Verlust“, erklärte Erich Schneeberger, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern.
Unser tiefes Mitgefühl gilt Federica Brands Familie und allen Angehörigen.

